Arusha
Anlässlich einer Reise durch Ostafrika mit Zelt und Truck hatte ich die Idee, einen echten Reisser zu verfassen und einen Mann zu beschreiben, den man als faszinierendes Ekelpaket bezeichnen könnte. Natürlich ist das alles erfunden und jegliche Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist rein zufällig. Trotzdem habe ich versucht alles so zu beschrieben, wie es sich in Wirklichkeit hätte zutragen können.
102 Seiten, erhältlich für 9,50 Euro im Online-Shop.
Leseprobe:
Friedrichs war kein angenehmer Zeitgenosse, er war 43 Jahre alt, sportlich durchtrainiert und fit und war seit neun Jahren mit einer vier Jahre jüngeren Frau verheiratet. Er betrieb einen erfolgreichen Handel mit aus Taiwan importierten Computerbausteinen. Sein unstetes Wesen stempelte ihn zum Einzelgänger, entsprechend klein war sein Freundeskreis. Aus beruflichen Gründen war er des Öfteren in Taipeh, der Stopover in Bangkok bot ihm stets die Gelegenheit, ein Thai Mädchen zu kaufen und sich mit ihr zu vergnügen.
Gewalttätige Exzesse waren dabei die Regel, mit Geld konnte er sich Repressalien vom Leib halten.
Dass er sich dabei noch nie etwas geholt hatte, war geradezu ein Wunder. Er war leicht rothaarig trug einen Stoppelhaarschnitt, seine Haut war voll mit Sommersprossen. Sein kantiges Kinn trug er stets vorgestreckt und war immer glattrasiert.
Goldkettchen und Rolexuhr passten recht gut zu seinem aggressiven Tonfall, bei 1.90 m Körpergröße wog er 89 Kilo und hatte kein Gramm Fett am Leib. Mit Jogging und Kraftmaschinen hielt er sich fit, er war ein erfolgreicher Sportschütze mit Kurzwaffen und sprach leidlich englisch und spanisch.
Schon als Kind galt er als schwierig, er war Bettnässer und Nagelbeißer und sein Vater, ein Brauereibesitzer aus Bremerhaven hatte schon früh Sorgen, was aus dem Buben einmal werden würde, denn die Mutter war bei der Geburt des Kleinen gestorben.
Schon im Kindergarten gab es Probleme mit dem exzentrischen Kind, was sich auch in der Grund-schule nicht besserte. Gerade beim Sport zeigte er eine beängstigende Brutalität bei hervorragenden Leistungen
Sein Vater steckte ihn ins Gymnasium, später ins Internat, doch als er 18 Jahre alt war, schmiss er die Schule und meldete sich freiwillig zur Bundesmarine, wo er drei Jahre abspulte. Den elektronischen Steuerungen der Maschinen in den Schiffen galt seine ganze Liebe und er belegte hier alle Lehrgänge, die nur möglich waren und entwickelte sich so zum Top Spezialisten.
Anschließend wechselte er zur Handelsschifffahrt und hatte es nach drei Jahren zum Chiefengeneer gebracht. Wenn es irgendwo mit einem Computer ein Problem gab, wurde Friedrichs geholt, ob im Maschinenraum, dem Ladebüro oder auf der Brücke.
Er lernte auf Containerschiffen und Kreuzfahrern die Weltmeere kennen, hatte in den einschlägigen Häfen der Welt die meisten Puffs besucht und überstand in seinem Jähzorn manch wilde Schlägerei ohne nennenswerte Verletzungen.
Als immer mehr Schiffe ausgeflaggt wurden, kehrte er der Seefahrt den Rücken, kratzte sein Erspartes zusammen und flog nach Taiwan.
Im World Trade Center in Taipei schaffte er sich seine Kontakte, kehrte zurück nach Deutschland und machte sich selbständig. Seine überragenden Computerkenntnisse waren eine solide Basis für seine Firma. Nach zahlreichen wechselnden Damenbekanntschaften lernte er Marlene, seine jetzige Frau kennen.
Offiziell befand sich Friedrichs auf Geschäftsreise in Südostasien, seine ihm angetraute Ehehälfte hatte keine Ahnung, dass er diesmal rein privat für drei Wochen den schwarzen Kontinent besuchen würde. Vom Alltagstrott hatte Friedrichs die Schnauze gestrichen voll, er brauchte Abwechslung, und zwar alleine und vor allem ohne seine ständig nörgelnde und versoffene Gattin.
Ursprünglich wollte er nach Bali fliegen, doch sein Freund Heinz, der Chef des örtlichen Swingerclubs meinte:
„Jan, du hast keine Ahnung, was läuft, vergiss die langweiligen Balimiezen, geh nach Afrika, seit die schwarzen Weiber nicht mehr beschnitten werden, sind die so scharf aufs Vögeln, die sind wie Tiere, gerade richtig für dich geilen Bock.“
Also stand Afrika auf dem Plan.
Friedrichs Business Klamotten und die Reisemuster verblieben in Frankfurt in seinem Wagen, es wäre zwar billiger gewesen, per Bahn, Taxi oder Mietwagen anzureisen, denn die Kosten für drei Wochen Parkhaus sind enorm, doch nur so konnte er seine Absicht verwirklichen, ohne blöde Fragerei für einige Zeit zu verschwinden..
Er flog nach Arusha, deckte sich dort mit allem Nötigen ein und steckte alles in einen billigen Koffer. Die Tropenkleidung kostete hier nur die Hälfte dessen, was die einschlägigen Versandhäuser in Deutschland haben wollten. Dann suchte er das vorgebuchte Hotel auf, kaufte sich eine Flasche Jack Daniels und verzog sich in sein Zimmer.
Den Taxidriver hatte er nach „Young Chickens“ gefragt, doch der meinte, wir seien hier nicht in Nairobi, hier gebe es so etwas nicht.
Friedrichs hatte über Internet zwei Übernachtungen im „New Safari Hotel“ gebucht, auch die folgende Safari Arusha - Nairobi war per Internet über Transafrican - Travel arrangiert worden.
Zwar wollten die vermittelnden Agenturen Kreditkartennummern, er bevorzugte jedoch Zahlung per Postüberweisung, was teilweise auf Schwierigkeiten und Unverständnis stieß. Friedrichs blieb stur, denn er wollte schließlich keine Spuren hinterlassen, denn seine Daheimgebliebene erledigte schließlich die Firmenbuchhaltung, somit schieden Kreditkarten Aktionen von Vorneherein aus.
Obwohl in den Reiseunterlagen, die Friedrichs vom Reiseveranstalter per E-Mail erhalten hatte, unmissverständlich niedergelegt worden war, dass illegaler Besitz von Waffen zum sofortigen Ausschluss der Safari führen würde, besorgte sich der Mann in Arusha einen Revolver Smith and Wesson Kaliber 44 Magnum mit vierzölligem Lauf und eine Schachtel Patronen mit Stahlmantelgeschoss.
Der indische Verkäufer versicherte ihm, sein Bruder, der ein Waffengeschäft in Nairobi habe, werde die Waffe nach seiner Rückkehr für 80% des Kaufpreises zurücknehmen. Friedrichs ließ sich das schriftlich geben und schickte die Bestätigung ins „Norfolk“ nach Nairobi, wo er beabsichtigte, nach der Safari für ein paar Tage abzusteigen.
Mit dieser Knarre konnte man sich zwar nicht gegen den Angriff eines wilden Elefanten, Nashorn oder Büffel wehren, er fürchtete mehr den Überfall irgendwelcher Banditen oder Wegelagerer.
Der Aufenthalt im „New Safari“ Hotel waren stinklangweilig, die Gäste waren hauptsächlich Australier, mit denen er zwar in der Hotelbar herumsoff, die aber dem arroganten Deutschen deutlich zu spüren gaben, was sie vin ihm hielten.
Zwei Tage danach erwartete ihn ein Schwarzer an der Rezeption und verfrachtete ihn und seinen Koffer in einen klapprigen alten Toyotabus. Sie fuhren zusammen zum Meeting Point außerhalb der Stadt und man konnte wieder einmal das allgegenwärtige Elend der afrikanischen Slums sehen, und Friedrichs konnte sich gut vorstellen, dass ein Vater, bevor er seine Kinder verhungern lässt, ganz sicher einen Weißen überfallen und ausrauben würde.
Die Waffe in Friedrichs Gepäck vermittelte ihm zwar eine gewisse innere Sicherheit, doch der Revolver hatte nur eine Trommel mit sechs Schuss.
Idiot, sagte er sich, wo um alles in der Welt hätte ich wohl eine Kalaschnikow verstecken können?
Der Truck machte einen zuverlässigen Eindruck und hatte Allradantrieb auf allen drei Achsen.
Friedrichs suchte sich einen Platz auf der rechten Seite des LKW aus, mit dem Hintergedanken, wenn das Scheißding umkippt, dann wahrscheinlich nach links.
Seinen Stoffkoffer warf er in die dafür vorgesehene Ladebox und verstaute seinen Daybag unter dem Sitz. Die Kanone, eingewickelt in einen Öllappen, legte er unter den mittleren Sitz, sollte eine Kontrolle den Wagen durchsuchen und die Waffe finden, sie wäre in jedem Falle nicht von ihm, es wäre lediglich schade um die 500.00 US $ gewesen.
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