Afrika 2004/05

Nach der Namibiareise vor vier Jahren wollte ich mit Willi zum Jahreswechsel nach Madagaskar reisen. Es wurde uns wegen fehlender Infrastruktur dringend abgeraten. Nun stand Südafrika auf dem Plan, doch Flüge waren schon im August Mangelware.
Als Ausweichziel hatte ich schon Kenia vorgeschlagen, da fand ich über Internet doch noch Flüge bei Air Namibia zu akzeptablen Preisen, also schnell gebucht.
Ein Mietwagen wurde gebucht, obwohl Willi gerne mit Allrad gefahren wäre, waren die Preise hierfür einfach zu hoch.
Ich entschied mich für einen Nissan Almera mit vier Türen und Aircon und hatte dies nicht bereut. Ich buchte für 30 Tage und bezahlte 1088.00 EURO bei National.
Die billigste Art, nach Frankfurt zu kommen war wieder per Mietwagen, ich hatte Glück und erhielt statt des gebuchten Fiat Punto als Update einen 3er BMW.
Ich traf Willi im Terminal 1 am Frankfurter Flughafen und nach einem Disput mit den „Securities“ konnten wir um 21.30 Uhr abfliegen.
Wieder einmal hatte den Sicherheitsleuten mein Survival – Messer nicht gefallen.
„Wozu brauchen Sie diesen Dolch“, fragte mich eine Dame, meine Antwort:
„Junge Frau, das ist kein Dolch, das ist ein Messer, ein Dolch ist zweischneidig, ich brauche das Teil zum Fischen.“
Die Dame war zufrieden, ich durfte den Säbel wieder einpacken.
Die MD 11 war derart eng bestuhlt, dass bei abgeklapptem Tisch ein Sitzen kaum möglich war. Doch auch diese Quälerei fand ihr Ende, in Windhoek wechselten wir in eine 737 und erreichten bald Kapstadt.
Am Mietwagenschalter bei National erlebten wir eine freudige Überraschung, für die zwei zusätzlich benötigten Miettage musste kein Aufpreis bezahlt werden und schon bald konnten wir unser himmelblaues Auto besteigen.
Von Deutschland aus vorgebucht hatte ich die ersten beiden Nächte im World View Lodge, eine wunderschöne Wohnung in West Somerset, 40 Kilometer außerhalb von Kapstadt. Die Linksfahrerei bereitete am Anfang gewisse Schwierigkeiten und ich musste mich richtig konzentrieren,um nicht Mist zu bauen.
Nachdem wir eine voll eingerichtete Küche hatten, kauften wir erst einmal ein. Am Abend wurde ausgiebig gekocht und wir genossen die angenehme Wärme unter südlichem Sternenhimmel.
Tags darauf fuhren wir zur Waterfront. Diese Anlage ist absolut einmalig und wir waren uns einig, selbst in zwei Tagen kann man hier nicht alles gesehen haben.
Nachdem wir mit halbvollen Koffern angereist waren, wurde fleißig eingekauft. Obwohl Südafrika nicht mehr so billig war, wie vor vier Jahren und der Rand, die Südafrikanische Währung, sich befestigt hatte, war alles immer noch erheblich günstiger, als im „Teuroland“ Deutschland.
Am Abend kehrten wir zurück nach Somerset West und am Morgen beschlossen wir beide:
Künftig nur noch getrennte Schlafzimmer, jeder beschuldigte den anderen, wegen der Schnarcherei nicht schlafen zu können.
Der kommende Tag sah uns wieder an der Waterfront, wir besuchten das Seewasser - Aquarium, anschließend ging es ins Weinland, im Weingut Spier wollten wir eine Weinprobe machen und Wein kaufen, doch am Sonntag war geschlossen. Wir verholten uns an die Bar und testeten, doch alles war nicht so recht nach unserem Geschmack.
Der nächste Tag sollte eines der Höhepunkte der Reise werden, die Abseilroute vom Tafelberg, eine volle Seillänge, 112 Meter über eine Dachkante.
Mit dem Auto fuhren wir zum Parkplatz, und bestiegen die Kabinenseilbahn, das Cable Car zum Tafelberg und ich fragte, oben angekommen, nach den „people for abseiling“.
Man bedeutete uns, zu warten, dann kam ein sportlich aussehender Schwarzer und fragte uns zweifelnd, ob wir tatsächlich „abseiling“ machen wollten. Ich bejahte, immer der Meinung, dass Willi sich dieses Abenteuer sicherlich nicht antun würde. Wir wurden zur Südseite des Gipfels geführt, ich erhielt meinen Klettergurt verpasst und war höchst erstaunt, dass Willi ebenfalls einen Gurt verlangte.
„Ich kann dich doch nicht alleine lassen,“ meinte Willi und ich war gespannt, wie er mit der Ausgesetztheit und vor allen mit dem Dachüberhang klarkommen würde.
Die Petzl Vierfachseilbremse wurde erklärt, dann stiegen wir über die Absperrungsmauer, gesichert durch ein fixes Seil über große Blöcke nach unten zur Abseilstelle.
Das zusätzliche Sicherungsseil mit Bremse war für mich eine große Beruhigung. Einem der Schwarzen gab ich meinen Fotoapparat, dann glitt ich langsam nach unten. Dichter Nebel quoll von unten her, was einerseits schade war, doch Willi sicher helfen würde, den Stress zu reduzieren. Die linke, behandschuhte Hand am fixierten Seil, die rechte Hand hinter dem rechten Oberschenkel kontrollierte die Bewegung nach unten.
Es war ein unglaublich tolles Gefühl und Erinnerungen an früher, wo ich noch in extremem Fels kletterte, wurden wach.
Zehn Meter über mir sah ich Willi. Er hatte den Oberkörper zu dicht am Fels, bis er sah, dass ich den Körper im rechten Winkel zum Fels hielt und machte es dann ebenso.
Ich rutschte mit dem Oberkörper über die Dachkante und plötzlich war ich frei in der Luft, etwa zehn Meter weg vom Fels. Ich versuchte möglichst ruckfrei zu gleiten und nicht zu schnell zu werden.
Die linke Hand am Fixseil begann sich zu verkrampfen und ich legte das Seil in die Ellbogenbeuge, so erreichte ich eine einigermaßen angenehme Stellung. Ich konzentrierte mich voll darauf, homogen zu gleiten, um das Fixseil an der Dachkante nicht übermäßig zu strapazieren. Plötzlich fühlte ich Boden unter den Füssen, ein Schwarzer hielt mich fest und zog mich auf einen Felsabsatz.
Völlig erschöpft setzte ich mich und sah Willi aus dem Nebel auftauchen.
Wir lösten uns von den Seilen, der schwarze Kletterer schärfte uns ein, sehr vorsichtig zu gehen, es sei recht gefährlich hier.
Die ersten zweihundert Meter ging er mit uns, dann schärfte er uns ein, uns immer links zu halten, dann waren wir allein.
Vorsichtig querten wir das Band und hatten nach einer Stunde das Hochplateau erreicht. Im langsam sich lichtenden Nebel erreichten wir die Seilbahnstation, wo uns unsere schwarzen Betreuer erwarteten. Ich erhielt meinen Foto zurück, und alle gratulierten uns.
Zufrieden stiegen wir in die Bahn und waren bald beim Auto.
Am Nachmittag fuhren wir noch die wunderschöne Strasse zum Chapmans Peak, welche im Afrikaführer als „zu den landschaftlich schönsten Küstenstrassen der Welt“ zählt.
Am Abend fanden wir im „Weinland“ mit der Papyros Lodge ein außerordentlich angenehmes Quartier, das wir gleich für zwei Nächte buchten. Der nächste Tag sah uns beim Wein kaufen. Erst besuchten wir das Gut „Meerlust“ mit seinem berühmten Rotwein „Rubikon“, wir kauften einen Karton roten und einen Karton Weißwein.
Rein zufällig fanden wir das Gut Ken Forrest und verkosteten auch hier herrliche Weine und deckten uns ein. Nachdem Papyros, unsere Lodge und das Weingut dicht zusammen liegen, nahm ich es mit der Promillegrenze nicht so genau und wurde auch von keiner Polizei belästigt.
Im Fernsehen wurde berichtet, dass die afrikanische Polizei Jagd auf Temposünder und Alkoholfahrer macht und dass die Betroffenen sofort in ein Gefangenenfahrzeug gesteckt werden. Und das bei 35° in Schatten.
Tags darauf waren wir in Stellenbosch, dem berühmtesten Weinort Südafrikas. Am nächsten Tag ging es weiter nach Mossel Bay. Wir fanden rein zufällig eine wunderschöne Unterkunft im Edward Charles Manor. Früh am Morgen ging es weiter nach Osten. In der Tourist Info in Plettenberg sagte man mir zuerst, hier sei alles ausgebucht, doch dann vermittelte man uns eine Super Lodge im Milkwood Manor. Wir befuhren die alte Parallelstraße zur N2 über den Bloukranspass und da sahen wir sie von weitem, die riesige 216 Meter hohe Bloukrans River Bridge. Mit bloßem Auge konnte man die Bungee Springer beobachten, die sich in die Tiefe stürzten.
„Willi, morgen bist du dran“, sagte ich und der meinte:
„Wenn du dich erinnerst, vor vier Jahren sagtest du zu mir, wenn du dich traust, da runter zu springen, zahlst du den Jump“.
„Mal sehen, was du morgen sagst“, antwortete ich und war mir ziemlich sicher, dass ich ums Zahlen wohl kaum herumkommen würde.
Wir schauten alles von oben an und innerlich dachte ich mir, es geht schon verdammt weit runter.
Am nächsten Tag war es dann soweit, wir fuhren durch der Tsitsikamma Coastal Nationalpark und waren bald wieder an der Brücke. Es herrschte großer Andrang, Willi war fest entschlossen, so zahlte ich 550 Rand und Willi ließ sich Gurt und Helm verpassen.
Ich stand mit der Kamera auf der Zuschauerterrasse und wartete.
Dann war Willi dran.
Aufgrund seines Körpergewichtes sprang Willi besonders tief, die Abstandsfähnchen zeigten eine Tiefe von ca. 180 Meter. Später erzählte er, den Sprung würde er jederzeit wiederholen, doch zum „Abseiling“ würden ihn keine zehn Pferde mehr bringen.
Am Abend, nach einigen Gläsern Wein, nahm ich mir fest vor, am anderen Tag ebenfalls zu springen, doch am Morgen war die Euphorie vorbei, mit Rücksicht auf meine Augen verzichtete ich auf das fünfminütige Hängen mit dem Kopf nach unten und kehrte auf den Teppich der Vernunft zurück
Wir fuhren weiter nach Osten und ließen Port Elisabeth südlich liegen. Nahe des Addo Elephant National Parks fanden wir, hoch auf einem Berg die Hilkenheim Lodge, eine der besten, aber auch teuersten Adressen dieser Reise.
Von Archie, einem Afrikaaner, erhielten wir einige wertvolle Tips, er buchte für den kommenden Tag eine Fahrt in den privaten Schotia Tierpark, ein einmaliges Erlebnis und laut dem Besitzer des Parks auch ein einmaliges Experiment an Tierhaltung.
Im offenen Landrover sahen wir außer Leopard die Big Five. Bis das Löwenrudel gefunden war, fuhr der Rover immer wieder quer durch den Busch und plötzlich waren um uns sieben Löwen, die uns gar nicht freundlich anstarrten.
Mir war nicht wohl bei dem Gedanken, was wohl wäre, wenn einer der Löwen auf die Idee käme, sein Fressen einmal aus dem Rover zu holen.
Ein großartiges Barbecue rundete das Unternehmen ab, das Resultat war ein echt toller Film mit dem Camcorder.
Am nächsten Tag kam Willi auf die Idee, man könne ja einmal reiten. Im Gegensatz zu ihm war ich mein Leben lang auf keinem Gaul gesessen.
„Pferde beißen vorn und schlagen hinten aus“, sagte ich zu Willi, doch ich hatte keine Chance.
„Ich habe mir beim „Abseiling” ums Haar rostige Unterhosen geholt, da kannst du wegen einem Pferd nicht einfach kneifen,“ war sein Argument und ich gab mich geschlagen.
Im Elephant Safari Park buchte Willi zwei Pferde für eine Stunde und mit großer Skepsis ließ ich mir auf den Rücken des Pferdes helfen. Ein schwarzer Ranger begleitete uns und in gemächlichen Schritt trottete mein Pferd hinter den beiden Gäulen mit ihren Reitern her.
Noch im Auto fragte ich Willi, wie man ein Pferd lenkt, wie man Gas gibt und bremst, doch er meinte, das werde er mir unterwegs schon beibringen.
Es war eine Herausforderung, aber kein Vergnügen. Ich dachte immer daran, dass auch eine Schlange mein Pferd beißen könnte und erinnerte mich, dass ein Kletterkamerad von seinem Pferd abgeworfen wurde und eine Querschnittslähmung davongetragen hatte.
Als der blöde Gaul dann partout nicht mehr hinter den anderen hertrotten wollte und seiner eigenen Wege ging, kam der schwarze Reiter und führte das Ross zum richtigen Pfad zurück.
Ich war echt froh, als Willi mir nach einer Stunde vom Pferd half.
Und weiter ging’s nach Osten, Richtung Ciskei, dem ehemaligen Homeland.
In King Williams Town stiegen wir im Hotel Gros Venor ab.
Wir mussten dringend Geld wechseln. In der First National Bank fragte man mich nach meinem Pass. Ich zeigte meinen Personalausweis, doch im Computer wurde nach der Passnummer gefragt. Ich musste zurück zum Auto, um meinen Reisepass zu holen, erst dann konnte ich wechseln.
Willi, der in Milkwood Manor sein Telefon Ladekabel vergessen hatte, war in einem indischen Elektronikshop gewarnt worden:
Sind Sie sehr vorsichtig, die Schwarzen hier mögen keine Weißen.
An dem Verhalten der Schwarzen konnten wir die Bestätigung erfahren, hier hatte sich die Apartheid geradezu umgedreht. Nun, bei 80% Analphabeten, einer hohen Arbeitslosigkeit und den eigenartigen Stammesriten der vornehmlich hier wohnenden Xosa ist dies kein Wunder.
Über diese Rituale schreibt der Reiseführer:

Dann und wann kann man Xhosa - Jungen mit weiß bemalten Körpern
und bizarren Kostümen sehen. Jeder Junge hat sich dem
Initiationsritual zu unterwerfen, um als Mann anerkannt zu sein. Er lebt
vom Herbst bis zum nächsten Frühling im Khweta, dem Beschneidungshaus. Was in dem abgesonderten Haus geschieht, unterliegt der absoluten Geheimhaltung. Man weiß nur, dass die Xhosa glauben, dass die Seele eines Jungen von seinem Körper getrennt ist, bis es durch die Beschneidung zu einer Vereinigung kommt. Diese wird Anfang des
Frühlings durchgeführt. Die verheirateten Frauen bauen eine Hütte für die Jungen, die in einem abgetrennten Raum sitzen. Ein Medizinmann vollzieht die Prozedur mit einem Schnitt seines assegai
Der Junge darf keinen Laut von sich geben. Nach der Beschneidung wird er mit weißem Lehm bemalt. Die Initiationszeit endet, indem die Farbe, die das Kindesalter symbolisiert, abgewaschen wird. Man wickelt ihn in neue Decken. Sein Hab und Gut aber wird in die Ritualhütte geworfen und alles verbrannt. Die jungen Männer drehen sich vom Feuer weg und dürfen unter keinen Umständen zurückblicken. Man nennt sie nun Amakrwala. Sie kehren nach Hause zurück, werden reichlich beschenkt und man feiert ein großes Fest. Danach bemalen sie sich mit Ocker und Öl. Die Farbe wird jeden Tag neu aufgefrischt - ein ganzes Jahr lang. Denn so lange dauert die „Mannwerdung”. Während des ganzen Lebens verbindet die Männer, die zusammen durch das Ritual gegangen sind, enge Freundschaft, aber auch die Verpflichtung, sich gegenseitig zu helfen.

Im Reiseführer steht weiter:

Die Transkei ist die Heimat der Xosas. Ende des 18. Jahrhunderts drangen die Weißen immer weiter Richtung Osten vor und trafen am Great Fish River auf die südlichsten der Xhosa - Stämme. Es kam zu blutigen Kämpfen. Da ereignete sich eine Begebenheit mit Folgen:
1856 schaute das junge Xhosamädchen Nonqawase in das Wasser des
Gxara River. Sie erblickte die Gesichter ihrer Vorfahren und hörte ihre
Stimmen und eine Prophezeiung: Wenn die Xhosa die weißen Siedler
vertreiben wollten, so müssten ihre Vorfahren von den Toten auferstehen.
Sie seien die einzigen, die die Weißen ins Meer jagen könnten. Doch da-
mit dies geschehen konnte, müssten sie Opfer bringen: ihr Vieh schlachten
und die Ernte vernichten. Nonqawase vertraute sich einem
Wahrsager an, der die Häuptlinge zusammenrief. Es wurde lange
diskutiert und man akzeptierte schließlich die Prophezeiung. Unverzüglich
tötete man 200.000 Rinder und verbrannte das Getreide. 30.000 Menschen
verhungerten in der Folge, viele mussten in der Not ihre Heimat verlassen.
Nonqawase selber floh zu den Briten nach King William’s Town, um
ihrem sicheren Tod durch ihren Stamm zu entgehen. Zu ihrem Schutz
wurde sie zeitweise auf Robben Island untergebracht. Schließlich lebte
sie auf einer Farm in der Eastern Cape Province, wo sie 1898 starb. Von
dieser Katastrophe hat sich das Volk der Xhosa bis heute nicht erholt.

Im Reiseführer steht des Weiteren: „Eine Durchreiseempfehlung kann nur beschränkt ausgesprochen werden.“
Wenn man sich in Kapstadt noch „have a nice trip“ wünscht, heißt es hier: „have a save trip“
Die weißen Einheimischen hielten uns für verrückt, als sie erfuhren, dass wir unbewaffnet durch die Homlands Ciskei und Transkei fuhren.
Die Autofahrer in Südafrika sind sehr höflich und rücksichtsvoll. Naht von hinten ein schnelleres Fahrzeug, wird nahezu ausnahmslos nach extrem rechts ausgewichen, nach abgeschlossenem Überholvorgang bedankt man sich durch kurzes Betätigen der Pannenwarnleuchte.
Wir haben in den fünf Wochen und 7500 Kilometer Fahrt auf allen möglichen Strassen keinen einzigen Unfall gesehen, auch nicht in der 3 ½ Millionen Großstadt Kapstadt.
Afrika wird nun immer schwärzer, das heißt die Hautfarbe der Menschen wird langsam tiefschwarz.
Ohne anzuhalten, fahren wir weiter und beherzigen die Empfehlung im Reiseführer:
„Der N2 Streckenabschnitt zwischen Grahamstown und King Williamstown ist für viele Überfälle auf Touristen berüchtigt. Nicht unnötig anhalten.“
Unser wichtigster Führer ist neben „Reise Know-How“ das Übernachtungsverzeichnis „Portofolio“, in dem die Lodges der gehobenen Klasse verzeichnet sind.
Von Archie, dem Chef von Hilkenheim Lodge hatten wir dieses Büchlein bekommen und waren bisher recht gut damit gefahren. Bei unserem nächsten Stop, im Mbotyi River Lodge hatten wir allerdings Pech. Es war ein ausgesprochener Schlamperladen, das Essen war mäßig, es gab weder Duschen, noch Aircon. Wir hatten leichtsinnigerweise für 2 Nächte gebucht und hatten Vorkasse gemacht. Wir waren froh, als wir wieder abreisen konnten.
Wir waren im Land der Xhosa, einem Stamm voller Traditionen und Riten. Die Ahnenverehrung ist hier voll ausgeprägt, Medizinmänner und Hexenmeister haben hier das Sagen.
Junge Xhosa sieht man mitunter mit weißbemalten Körpern und Gesichtern..
Weiter zog es uns gen Osten und rein zufällig fanden wir, kurz vor Durban, in Amanzimtoti eine wunderschöne Übernachtungsmöglichkeit. Wir waren nun endlich raus aus der Transkei und befanden uns nun in Kwazulu Natal.
Am nächsten Tag fuhren wir nach Durban, durch falsches Abbiegen waren wir plötzlich im Zentrum von Durban. Unglaubliche Menschenmassen waren hier auf der Strasse, Verkehrsregeln scheinen hier nicht zu existieren. Nach mehrmaligen Anläufen fanden wir die Waterfront, die mit dem Schmuckstück von Kapstadt nur den Namen gemeinsam hat. Recht bald fuhren wir weiter nach Pietermaritzburg, wo wir schon von Kapstadt aus über Heiligabend zwei Nächte gebucht hatten.
Das City Hotel erwies sich als schäbige Absteige, am Nachmittag machten wir etwas Sightseeing, um am Abend ein äußerst mäßiges Weihnachtsdinner vorgesetzt zu bekommen. Erst wurde uns eine fehlerhafte Rechnung präsentiert, dann schloss um 21.30 Uhr auch die Bar, es blieb uns nichts übrig, als früh ins Bett zu gehen.
Tags darauf waren die Strassen leer gefegt. Wir schauten uns die eindrucksvollen Wasserfälle bei Albert Falls an, dann besuchten wir eine wunderschöne Lodge, wo wir zu Mittag speisten und deren Namen ich leider in meinem elektronischen Tagebuch nicht vermerkt hatte.
Auf der Rückreise nach Pietermaritzburg überraschte uns ein schweres Unwetter.
Zuerst fuhr ich, wie die anderen Autos mit eingeschalteter Warnblinkanlage, dann war auch das nicht mehr möglich, wir fuhren links ran und genossen mit gemischten Gefühlen das Naturschauspiel. Kein Auto war mehr auf der Strasse.
Nach etwa zehn Minuten begann der sintflutartige Regen nachzulassen und wir konnten mit weiterhin eingeschalteter Pannenwarnleuchte weiterzufahren. Vorsichtig passierten wir die überfluteten Straßenstrecken und erreichten unser Hotel, ohne stecken zu bleiben.
Am Abend fuhren wir per Taxi zu einem Shoppingcenter. Hier hatte, bis auf einen moslimischen Inder, alles geschlossen, wir aßen zwar ganz ordentlich, doch auf Bier mussten wir verzichten, so lagen wir auch heute schon um 22.00 Uhr im Bett.
Der kommende Tag war wieder sehr heiß, es wurden uns mehrere Gewitter beschert, die jedoch lange nicht an das vom Vortage heranreichten.
In der Lodge „De Oude Kraal“ einem wunderschönen Anwesen von 1885 fanden wir ein herrliches Quartier, leider nur für einen Tag. Willi machte einen zweistündigen Ritt und handelte sich neben einem saftigen Sonnenbrand einen tüchtigen Muskelkater ein.
Ich benutzte die Zeit zum Filmen und relaxen. In dieser Lodge, südlich von Bloemfontein haben wir herrlich gegessen und geschlafen.
Im Fernsehen erfuhren wir von den furchtbaren Überschwemmungen durch den Tsunami in Südostasien und waren froh, das Unwetter bei Pietermaritzburg heil überstanden zu haben.
Nach Fernsehmeldungen war auch die Region Kapstadt schwer betroffen, das Fernsehen sprach von sechs Toten.
Das geplante Tontaubenschiessen fiel leider ins Wasser, so fuhren wir weiter Richtung Süden. In Springfontein wollten wir essen, doch das Dorf war wie ausgestorben, kein Gasthaus, keine Kneipe, nur zwei Kirchen. An einer Tankstelle würgten wir zwei widerliche, fetttropfende Burger hinunter.
Der Oranje River, die Lebensader Südafrikas wird zu einem riesigen See gestaut, 122 km lang und 25 km breit mit einer Uferlinie von 430 km. Wir dachten, das Garit Dam Hotel sei das Passende für uns, doch weit gefehlt. Zwar erwischten wir ein billiges Doppelzimmer, doch das Essen war an der Grenze des Zumutbaren. Nur die Eiscreme war ordentlich.
Äußerst witzig war, dass die schwarzen Serviererinnen beim Auftragen keine, beim Abtragen jedoch Handschuhe trugen.
Für alle Gäste gab es insgesamt nur eine Speisekarte, die von Tisch zu Tisch gereicht wurde.
Früh am Morgen fuhren wir weiter. Um 07.45 Uhr war es mit 23° Grad noch angenehm kühl.
Auf der Strasse dann plötzlich eine Polizeikontrolle. Ein recht freundlicher Schwarzer fragte mich nach den Papieren.
„Do you want to see a original German drivers licence“? fragte ich den Beamten, doch trotz intensiven Suchens fand ich weder meinen nationalen, noch den internationalen Führerschein und sah mich im Geiste schon in dem vergitterten Anhänger, in dem die Polizei in Südafrika ihre Opfer sammelt.
Obwohl man mir meine Nervosität ansehen musste, meinte der Schwarze:
„It ´s o.k., you can go”
Wie hätte das wohl in Deutschland bei einem Ausländer ausgesehen?
Später fuhren wir zum „Valley of Desolation“ dem Tal der Trostlosigkeit. Von der Passhöhe aus hatten wir eine gewaltige Aussicht in die Karoo und auf Graaff Reinet, unserem nächsten Ziel.
Wir übernachteten im Drosty Hotel, einem antik restaurierten Gebäude, und schliefen in ehemaligen Sklavenunterkünften. Zuvor besuchten wir ein Museum und die wunderschöne anglikanische Kirche.
Am Morgen stellten wir fest, dass der hintere rechte Reifen Luft verlor. An einer Tankstelle wechselten wir das Rad und zahlten dafür gerade mal 30 Rand.
Auf den schnurgeraden Strassen war äußerst wenig Verkehr Der folgende Alfred Pass stellt die Grenze der Befahrbarkeit für normale PKW dar, böse Schläge auf den Wagenboden ließen Sorgen für die Ölwanne aufkommen, mitunter dachte ich, es geht überhaupt nicht weiter.
Die starken Regenfälle der Vortage hatten bösartige Auswaschungen hervorgerufen. Willi, als Norddeutscher tröstete seine Nerven mit Wein von Ken Forrester.
Doch jede Schotterstraße findet einmal ihr Ende, wir erreichten Knysna, die Hotelsuche begann.
Wie vermutet, war die „Garden Route“ in fester Hand der Touristen, nach vierstündiger Suche gab ich es auf und fuhr weg vom Meer, nach Norden.
In der Stadt der Strauße, in Outshoorn, fanden wir im Hotel Victoria eine schöne Unterkunft
Der folgende Tag war für Willi eine Tortur, erst befuhren wir den sehr anspruchsvollen, spektakulären Swartbergpass, dann ging es ab in die Hölle.
Zuvor jedoch besuchten wir die Cango Caves, ein gewaltiges Höhlensystem, welches zu den großen Naturwundern der Erde zählt. 775 Meter der Höhle ist für Besucher zugänglich, die größte Halle mit zahlreichen Sinterterrassen, Stalagmiten und Stalaktiten ist so groß wie drei Sportplätze.
Der Weg zur Hölle geht über 50 Kilometer, zum Teil übelsten Schotters; schmale, sehr ausgesetzte Passagen ohne Randsicherungen, teils mit Gegenverkehr. Zehn Kilometer vor Ende der „Strasse“, die eine Sackgasse ist, drehten wir um. Die Bodenfreiheit unseres Autos war einfach zu gering, schließlich mussten wir die gesamte Strecke unbedingt bei Tageslicht zurückfahren. In der aufziehenden Dämmerung erreichten wir die Stadt Prince Albert.
Wir übernachteten recht ordentlich.
In Matjesfontain machten wir eine längere Pause. Das gesamte Städtchen mit gerade 300 Einwohnern steht unter Denkmalsschutz und diente früher als Erfrischungsstation für Zugreisende durch die Karoo, da seinerzeit die Züge keine Speisewagen hatten.
Auch heute noch hält der Zug und die Reisenden haben die Gelegenheit, in einem Doppeldeckerbus eine Stadtrundfahrt zu machen. (Dauer: vier Minuten) Damit ist alles über die Größe dieses Städtchens gesagt.
Wir übernachteten in Montagu im Country Hotel, der kommende Tage war reichlich ereignislos, wir befuhren 80 Kilometer Naturstrasse und versuchten vergebens, in Mosselbai ein Zimmer zu bekommen, so fuhren wir zurück nach Outshoorn und stiegen wieder im Queens Hotel ab. Dann ging es weiter gen Westen. In Swellendam quartierten wir uns in einem wunderschönen Guesthouse eines Deutschen ein und konnten deutsches Fernsehen genießen. Anderntags wollten wir im besten Restaurant Südafrikas lunchen, doch ohne Vorbestellung war im Restaurant Chamonix in Frenchhoek nichts zu wollen.
So kauften wir ein und „vesperten“, wie wir Schwaben sagen, recht ausgiebig und fuhren weiter nach dem Weinort Paarl.
Bei einem Deutschen, in der Oak Tree Lodge fanden wir eine passende Bleibe mit gutem Preis - Leistungsverhältnis, nachdem wir auf einer Farm zwei inakzeptable Räume abgelehnt hatten.
Morgens ging es weiter nach Norden über Ceres durch die Cederberge. Eine abenteuerliche kaum befahrene Schotterstrasse bescherte uns Einsamkeit pur. Plötzlich ging es für uns nicht mehr weiter, also umdrehen. An einer „Straßenkreuzung“ waren wir uns über den Weiterweg nicht mehr einig und versuchten auf der Karte unseren Standort zu bestimmen.
Da fuhren zwei Motorradfahrer vorbei und Willi meinte:
„Fahr hinterher, die wissen sicher, wo es lang geht.“
Also hinterher, doch die Biker legten ein hohes Tempo vor.
Nachdem ich einige Male so richtig in Schlaglöcher gekracht war, beschwerte sich Willi über meinen Fahrstil, zwar fuhr ich nun langsamer, doch wir hatten richtig Zoff.
Unterhalb des Piekenaarskloofpasses fanden wir eine Lodge, die zwar billig war, wo es aber kein Abendessen gab.
Ich goss mir eine halbe Flasche Rotwein in den Hals und legte mich ins Bett.
Am Abend fuhr Willi das Auto nach Citrusdaal und wie ein altes, zerstrittenes Ehepaar sprachen wir kein Wort miteinander.
Am anderen Morgen war die Krise vorbei, wie vernünftige Urlauber planten wir zusammen die Weiterreise, ich nahm mir vor, künftig mehr Rücksicht zu nehmen und meinen Fahrstil auf Schotter zu ändern.
Wir fuhren wieder nach Süden, um den Großraum Kapstadt nochmals intensiv zu bereisen.
Im Dolphin Beach Hotel, in dem wir vor vier Jahren zu akzeptablen Preisen abgestiegen waren, hatten sich die Preise verdreifacht, also weiter suchen.
In Melkbosstrand, zirka 30 km nördlich von Kapstadt fanden wir eine annehmbare Unterkunft für Selbstverpfleger, eine sogenannte „Self Catering Suite.“
Wir kauften ein und nachdem das Auto fürchterlich aussah, ließen wir dieses außen und innen picobello waschen und zahlten hierfür eben mal 3.75 EURO.
Der Schwarze, der für Rasensprengen zuständig war, machte dies ohne Wissen seines abwesenden Chefs und war über die 30.00 Rand hochzufrieden.
Wir brieten unsere Steaks und tranken unseren „Reisewein“, der trotz 7000 Kilometer noch immer hervorragend schmeckte.
Am folgenden Tag waren wir nochmals an der Waterfront in Kapstadt und waren wieder beeindruckt von der einmaligen Schönheit dieser Anlage.
Ich wollte unbedingt nach Robben Island und das Mandela Museum besuchen, doch hätten wir Platzkarten für den Montag buchen müssen. Das war uns zu spät, auch störte uns der überkommerzialisierte Rummel um diesen bemerkenswerten Mann, den die Schwarzen wie einen Gott verehren.
Nochmals wurde fleißig Shopping gemacht, dann ging es wieder durch die dreieinhalb Millionenstadt nach Norden zu unserem Appartement. Wieder bekochten wir uns selbst und waren uns bewusst, dass sich unser Urlaub mit Riesenschritten seinem Ende zu bewegte.
Natürlich waren wir am folgenden Tag wieder an der Waterfront und wieder fanden wir Teile der Anlage, die wir noch nicht gesehen hatten.
Willi trank zum ersten Mal beim Paulaner Münchner Bier, aß Weißwürste und Oabatztes.
Wir besuchten das Maritime Museum und kehrten relativ früh mit müden Knochen nach Melkbosstrand zurück. Zwischenzeitlich hatten wir auf dem Flughafen unsere Rückflüge bestätigen lassen und für die letzte Nacht in der „Airport Lodge“ gebucht.
Tags darauf wollten wir noch einen draufsetzten. In der Hout Bai, südlich von Kapstadt hat ein Deutscher die Burg Lichtenstein nachbauen lassen, da wollten wir hin.
Wieder ging es quer durch Kapstadt und wieder konnten wir über die disziplinierte Fahrweise nur staunen.
In Hout Bay führt ein steiler, schmaler Weg zu Schloss Lichtenstein, doch leider hörten wir, wie schon so oft zuvor den Satz:
“Sorry, we are fully booked”
Also fuhren wir zurück nach Hout Bay und fanden nach einigem Suchen in der “Brightwater Lodge” eine schöne Bleibe für die nächsten zwei Nächte.
Bei „Mariners Wharf“ genehmigte ich mir einen schönen Lobster und nach einem Abendessen beim Österreicher legten wir uns relativ früh in die Federn.
Schon am Vortag hatte es ordentlich geblasen, doch am Morgen wehte es gewaltig, am Ausgang der Hout Bai konnte man fliegendes Wasser sehen.
Etwas skeptisch war ich bei Willis Wunsch, nochmals die Uferstrasse über Cheapman´s Peak zu fahren, da ich durch den Sturm Steinschlag befürchtete, doch „no risk, no fun“ natürlich befuhren wir nochmals diese herrliche, mautpflichtige Strasse.
Und nachdem wir schon einmal so weit im Süden waren, fuhren wir gleich zum Kap der guten Hoffnung, wo eine weitere mautpflichtige Strasse auf uns wartete.
Als dann für die Zahnradbahn zum Sea Point nochmals bezahlt werden sollte, war Schluss. Rein ins Auto und zurück.
In Fish Hoek blies es noch immer, kaum waren wir raus aus dem Auto, knirschte schon der Sand zwischen den Zähnen. Das Essen in dem „französischen“ Restaurant war mäßig, doch wir waren froh, überhaupt etwas zu bekommen.
Am Abend aßen wir wieder im „Mariners Wharf“, dann hieß es wieder einmal: Packen.
Früh am Morgen fuhren wir weiter und umrundeten den Tafelberg und sahen wieder „unsere“ Abseilstelle und die überhängende Felsnase mit dem Dach.
Wieder bekräftigte Willi:
“Bungee, jederzeit, Abseiling, nie wieder.”
Weiter ging es zur Flughafen Lodge, wo ich erst per Internet, dann per Telefon den Termin für den Shuttlebus in Frankfurt zum dort gebuchten Hotel klarzumachen versuchte.
Die Antwort: „Rufen Sie uns an, wenn Sie in Frankfurt sind“
Anschließend schlugen wir die Zeit durch Fernsehen tot.
Da die Airport Lodge kein Abendessen anbietet, wurde uns empfohlen, im Flughafen zu essen, doch als wir die Örtlichkeiten sahen, war sofort klar: Nicht mit uns.
Ich erinnerte mich, dass wir am zweiten Abend in Somerset West ganz ausgezeichnet gegessen hatten, so fuhren wir die vierzig Kilometer auf der N2 nach Osten und hatten es nicht bereut. Wir kamen zwar daher wie die Zigeuner, erhielten aber trotzdem in dem stinkvornehmen Super Restaurant „Willowbrook“ einen Tisch.
Die folgende Nacht war kurz, um 05.00 Uhr klingelte der Handywecker und ab ging´s zum Flughafen.
Erst wollte ich zu VAT Refound um mir die Mehrwertsteuer zurück zahlen zu lassen. Ich hatte alle Belege sortiert und das Eingekaufte auch separat verpackt, als ich am Schalter jedoch mitbekam, welches Prozedere mit der Rückzahlung verbunden war, verzichtete ich und checkte ein.
Die letzten Rand wurden verbraten und um 08.00 Uhr hob die MD 11 planmäßig ab.
Nach einer Zwischenlandung in Windhoek erreichten wir am späten Abend Frankfurt, ich telefonierte nach dem Shuttlebus und um 24.00 Uhr trank ich das erste deutsche Bier an der Hotelbar.
Am Morgen fuhr ich mit Willi zum Flughafen und holte meinen Mietwagen ab, während Willi nach Hannover flog. Am späten Nachmittag war ich nach fünf Wochen Afrika wieder zuhause.

Verschiedentlich wurde ich gefragt, warum ich von meinen Reisen keine Schlussbewertung über Land und Leute ziehe, ich will versuchen, dies zu tun.
Südafrika ist ein ausgesprochenes Urlaubsland geworden, die Sicherheit in den Städten hat sich stark verbessert, allerdings mit einem stark negativen West – Ost Gefälle.
Auch die Schwarzen in Kapstadt haben erkannt, dass der Tourismus Geld und damit Wohlstand ins Land bringt.
Kapstadt´s Waterfront gilt als einmalig auf der Welt und ist ein absolutes Schmuckstück.
Bedrückend sind nach wie vor die Townships, Slums, eine Eiterbeule für diese einmalige Stadt. Nach wie vor ist es nicht zu empfehlen, diese Gegenden zu betreten, das Risiko ist viel zu hoch.
Zwar hat Südafrika eine schwarze Regierung, es herrscht theoretisch eine Gleichstellung zwischen Schwarz und Weiß, doch wenn überhaupt, wird es Generationen dauern, bis dies in die Tat umgesetzt werden kann.
Wenn heute ein Nicht - Schwarzer in Südafrika einen Gewerbebetrieb eröffnet, muss er einen schwarzen Teilhaber vorweisen und eine bestimmte Anzahl von Schwarzen beschäftigen.
Dass auch dieses oft umgangen werden kann, ist bekannt.
Bei einer Arbeitslosigkeit in den Townships und Homelands von 80% ist naturgemäß die Stimmung verheerend. Zwar gibt es schon lange eine allgemeine Schulpflicht, doch sehr viele Kinder gehen nicht zur Schule, die Gründe hierfür sind vielschichtig.
Parallelen zu Amerika können ohne weiteres gezogen werden.
Wie gesagt, der Westen des Landes, also die Kapregion einschließlich Garden – und Wine Route sind empfehlenswerte Urlaubsziele mit guter Infrastruktur und gigantischen Möglichkeiten. Der weiße Reiseführer „Portofolio“ beinhaltet Übernachtungsmöglichkeiten der gehobenen Klasse, während der bunte Führer von „Portofolio“ die einfachen B&B Angebote beinhaltet. (B&B = Bed and Breakfast)
Spätestens in Port Elisabeth sollte Schluss sein mit der Autoreise, wer nach Durban oder Lesotho möchte, sollte mit dem Flugzeug anreisen und vor Ort ein Auto mieten.
Die Durchfahrt durch Ciskei und Transkei wird nach wie vor nicht empfohlen, auch wird vor der Befahrung der gesamten N2 abgeraten.
Als ich Archie von „Hilkenheim Lodge“ nach seiner Meinung fragte, ob wir durch die Homelands fahren sollten, meinte er: „Dont be stupid“.
Wir haben versucht, dies zu beherzigen, waren aber auch entsprechend vorsichtig. In Lillipulli, mitten im Xhosa Land, wäre ich nicht freiwillig aus dem Auto gestiegen, Willi nannte mich deshalb einen Angsthasen.
Verschiedentlich wurden wir von Afrikaanern gefragt, ob wir eine Waffe bei uns hätten und als wir verneinten, erhielten wir meist die Antwort:
“Ihr seid verrückt.”
Eine wertvolle Hilfe war uns der Reiseführer „Südafrika“ von „Reise know how“ und die dazugehörige Straßenkarte.
Wir befuhren Schotterstrassen, welche die Grenze der Befahrbarkeit für einachsbetriebene PKW darstellen. Natürlich wäre ein Geländewagen ideal gewesen, dafür hätten wir jedoch über das Doppelte zahlen müssen. Unser Nissan Almera mit 4 Türen und Aircon kostete bei National, ab Deutschland gebucht, für einen Monat 1038.00 EURO.
Aufgrund der ausdrücklichen Warnung vor Hijackern haben wir keine Anhalter mitgenommen, die teilweise rudelweise an den Strassen, auch Autobahnen standen.
Die Lebenshaltungskosten in Südafrika belaufen sich im Schnitt auf etwa 1/3 der Kosten in Deutschland, auch Grundstücke sind immer noch recht preisgünstig, obwohl sich die Preise hierfür in den letzten fünf Jahren verdreifacht haben.
Wenn ich diese viereinhalbwöchige Reise nochmals machen würde, wäre das Ziel wieder Kapstadt, dann eine Woche in den Norden bis zum Oranje River, der Grenze zu Namibia. Anschließend die Garden Route bis Port Elisabeth mit allen Abstechern in die Parks. Darauf hin würde ich ab dort nach Lesotho fliegen und mir in Maseru, der Hauptstadt des Königreichs Lesotho, einen Geländewagen mieten.
Lesotho, das „Dach Afrikas“ und so groß, wie Belgien, hat eine phantastische Landschaft mit einem Straßennetz von 5500 Kilometer, davon sind lediglich 800 Kilometer asphaltiert. Der höchste Berg misst 3482 Meter und stellt die höchste Erhebung Südafrikas dar. Hier würde ich mich eine Woche austoben, um dann nach Kapstadt zurück zu fliegen.


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